Do-it-yourself-Werbematerial statt Profiflyer

Flyer mach ich selber. Die gekauften sind mir zu teuer, die krieg ich im Copyshop oder in der Onlinedruckerei viel billiger!

Stimmt das? Ja, das stimmt.

Heute, wo eigentlich jeder einen Computer zuhause stehen hat, wo es richtig schöne Bilder überall im Internet zu kopieren und Onlinedruckereien mit Drucktiefstpreisen gibt, kann natürlich jeder einfach und preiswert selber Flyer produzieren. Hier siehst du einmal ein Beispiel dafür:

flyerselbermachen

Den rechten Einladungsflyer habe ich mehrfach im Kundenauftrag gemacht. Links kannst du sehen, dass jemandem dieser Flyer wohl sehr gefallen hat. Deshalb hat er ihn wohl nachgemacht. Ich weiß nicht, welcher der beiden Flyer dir besser gefällt. Das spielt jetzt aber auch gar keine Rolle, denn ich möchte dich einfach auf ein paar wichtige Dinge aufmerksam machen.

1. Noch vor 15 oder 20 Jahren hatten am PC selbstgestrickte Flyer, Handzettel, Folder und Leporellos im – wie ich das nenne – Hausfrauendesign einen ganz eigenen Charme. Sie zeigten, dass da jemand war, der nicht nur einen Computer hatte, sondern sich auch traute, damit etwas anzufangen. Cliparts waren damals der Renner. Bildchen also, die man mehr oder weniger sinnvoll in eine Worddatei einfügen konnte. Außerdem ließen sich Überschriften plötzlich bunt und mit allerlei Effekten gestalten. Das hatte einen ganz eigenen Charme. Dank der ersten Farbdrucker konnte man das auch selbst vervielfältigen. Ein Segen für manchen kleinen Verein, für Kirchengemeinden, Schulen, Clubs und Stadtteilzentren.

2. Inzwischen ist der Anfangscharme verloren, die Werbewelt ist bunter und vielfältiger geworden und mit dieser Entwicklung haben sich auch unsere Sehgewohnheiten und Ansprüche verändert. Bei Vereinen, Schulen oder Kirchengemeinden finden wir derart selbstgestrickte Publikationen okay, denn die haben wenig Geld um professionell zu arbeiten. Aber bei einer Firma? Da erwarten wir doch professionelles Werbematerial, oder? Interessierst du dich etwa für einen Weltkonzern, der mit „billig“ gemachter Werbung daherkommt? Würdest du bei einer so auftretenden Company kaufen oder gar bei der als Geschäftspartner einsteigen?

3. Für gutes Werbematerial brauchst du mehr, als einen Computer. Du brauchst Wissen, Know How und Erfahrung. Du musst wissen, wie ein Flyer, ein Plakat, ein Handzettel graphisch aufgebaut sein muss, welche Bilder wie auf den Betrachter wirken und welcher Blickrichtung die meisten Betrachter folgen. Außerdem brauchst du Texte, die nicht nur ansprechen, sondern die auch rechtssicher sind.

4. Für die optimale Druckvorlage musst du dich übrigens mit dpi, CMYK oder RGB, Beschnittzugaben und ähnlichen für die Druckerei wichtigen Parametern auskennen, damit am Ende auch wirklich das Produkt rauskommt, das du haben möchtest.

5. Ganz besonders achten musst du auf das Urheberrecht. Das gilt für Fotos und Graphiken genauso wie für Texte.

So, jetzt kennst du ein paar Grundlagen der Werbung. Und jetzt weißt du eigentlich auch schon, dass der billig selbstgemachte Flyer für dich richtig teuer werden kann. Einmal, weil du vielleicht die Grundlagen erfolgreicher Gestaltung nicht so gut kennst und damit nicht die Wirkung erreichst, die du erzielen möchtest. Dann hast du eben Flyer gestaltet, die sich kein Mensch anschaut und sitzt allein bei deinem Vortrag oder bleibst auf deinen Produkten sitzen, statt sie zu verkaufen.

Richtig teuer werden kann es übrigens, wenn du Urheberrechte verletzt, also zum Beispiel fremde Fotos oder Texte verwendest, für die dir der Urheber keine Nutzungsrechte eingeräumt hat. Da werden dann schnell mal ein paar hundert oder tausend Euro fällig. – Im linken Flyer sind mindestens zwei Gestaltungselemente drin, für die keine Nutzungsrechte übertragen wurden. Ich weiß das, weil diese beiden ursprünglich von mir sind. emoticon_smile

Ich möchte dir nicht von selbstgemachtem Werbematerial abraten. Du kannst damit sehr wohl punkten. Wenn du zum Beispiel im Network Marketing startest, kann es sehr von Vorteil sein, wenn du mit Eigenwerbung vom heimischen PC daher kommst und deine Verwandten, Freunde und Bekannten zum Beispiel zu deinen ersten Homepartys, zu einer Geschäftspräsentation, die du dann vielleicht etwas weniger professionell Firmenvorstellung nennst, oder zu einem kleinen Event anlässlich deiner eigenen Firmengründung einlädst. Das ist dann natürlich weniger professionell gestaltet, hat aber Charme, deinen ganz eigenen Charme. Und das ist gut so, denn deine Verwandten, Freunde und Bekannten kennen dich ja schon und sie mögen deshalb ganz sicher deine Persönlichkeit, deinen Charme und deine ganz eigene individuelle Art.

Ein Gedanke zum Schluss kommt mir noch: Wenn du Werbematerial selber gestaltest, dann brauchst du dafür sehr viel Zeit. Vielleicht werkelst du ein paar Stunden oder manchmal auch ein paar Tage am PC, bevor du dein Printprodukt so hinbekommen hast, wie du es gern haben möchtest. Das ist dann echte Lebenszeit, die du investierst. Wenn du stattdessen auf professionells Material zurückgreifst, dass dich vergleichsweise wenig bares Geld kostet und die so gesparte Lebenszeit dafür verwendest, um zum Beispiel für dein Business Kontakte zu machen, könnte das am Ende für dich noch lukrativer sein. Was meinst du?